Per ãSchnellbahnÒ durchs gesamte KlinikgebŠude

 

Hightech-Rohrpostanlage befšrdert Gewebeproben und Dokumente

 

Wenn das Klinikum Offenbach im FrŸhjahr sein neues GebŠude bezieht, wird es das modernste Krankenhaus Hessens sein. FŸr den schnellen internen Proben- und Dokumententransport von einer Station zur nŠchsten steht dafŸr ein Klassiker in anspruchsvollstem Hightech-Gewand zur VerfŸgung: eine Rohrpostanlage.

 

Ein ca. 3 Kilometer langes Ršhrensystem wurde dafŸr schon bei den ersten Planungen mit einberechnet: eine Schnellbahn, die vor allem den Transport von Laborproben zwischen Station und Zentrallabor erheblich beschleu­nigt und damit das Personal entlastet. SchŠtzungsweise 1.000Ð1.500 interne Sendungen am Tag werden kŸnftig blitzschnell Ÿber alle 7 Geschosse des Klinikums befšrdert werden, von Unterlagen in DIN-A4-Grš§e Ÿber Ršntgenbilder bis hin zu Infusionsam­pullen, Blutkonserven und vielem mehr. Zwischen den 3 OP-Bereichen und dem Labor in der Pathologie gibt es zusŠtzlich eine direkte Punkt-zu-Punkt-Rohrpost-Anlage fŸr Schnellschnitte, Tumormarker und Gewebeproben, die wŠhrend einer Operation entnommen wurden und sofort untersucht werden mŸssen.

 

Weit verzweigtes Streckennetz

Die im Fachjargon ãMehrliniensystemÒ genannte Rohrpostanlage funktioniert wie eine U-Bahn. †ber einen Hauptbahnhof, den sogenannten Zentralverteiler, laufen 15 Linien zu 45 Bahnhšfen. Rund 28 Weichen im Streckennetz sorgen dafŸr, dass alle Orte miteinander verzweigt sind: ein Spinnennetz wie eine Metro. Insgesamt stehen fŸr den Transport rund 224 stabile Versandbe­hŠlter zur VerfŸgung. Die extreme Vernetzung gewŠhrleistet einen konstanten Verkehrsfluss frei von Staus oder UnfŠllen, so dass gerade in den Laboren ein kontinuierlicher Arbeitsablauf in gleichbleibender QualitŠt ohne Warten auf den Boten mšglich ist.

 

 

 

Luft als Antrieb

Das HerzstŸck der Rohrpostanlage ist der Verteilerraum. Es herrscht in den Hauptverkehrszeiten eine GerŠuschkulisse wie an einem Flughafen, aber weil hier nur ein Industrie­roboter als Verteilungsmaschine, ein †berwachungsrechner, steril glŠnzende Ršhren und eine Armada von scheinbar tonnenschweren GeblŠsen stehen, stšrt das niemanden. Ziehen und schieben ist das Prinzip der Rohrpostanlage: Treibluft schiebt und zieht die VersandbŸchsen von A nach B. In den GeblŠsen wird Luft als Antrieb der Rohrpostanlage erzeugt, dabei entsteht ein Luftvolumen mit einem Druck von 200Ð300 Millibar. Vollautomatisch wird von Saug- auf Druckluft umgeschaltet. Ein umweltfreundliches Versandsystem, frei von Abgasen.  

 

Sekundenschnell am richtigen Ziel

Im Gegensatz zum manuellen Transport, bei dem ein Bote mit dem WŠgelchen oder eine Krankenschwester mit einem Kšrbchen voller Blutproben viele Treppen und GŠnge zurŸcklegt, gibt es bei der modernen Rohrpostanlage den Faktor ãZeitverlustÒ nicht: Jedes TransportstŸck wird in Sekundenschnelle ausgeliefert. Die Mitarbeiter befŸllen einfach den BehŠlter, stellen ihn in ein Stationsfach und tippen die Zieladresse ein. Sobald sich der Rollladen der Empfangs- bzw. Versandstation schlie§t, wird der Transport automatisch eingeleitet und die RohrpostbŸchse nimmt ihre Fahrt auf. Wie in einer U-Bahn sausen die 224 RohrpostbŸchsen mit einer Geschwindig­keit von bis zu 7 Metern pro Sekunde bei Schnellfahrt und 3 Metern pro Sekunde bei Langsamfahrt (fŸr Laborproben) durch das gesamte GebŠude. An ihrem Empfangsort fallen sie pneumatisch abgebremst sanft in einen gepolsterten Empfangskorb oder auf eine Empfangsbahn. Dank eines elektronischen Transponders wird jeder BehŠlter in der Anlage identifiziert, in Echtzeit abgebildet und ist somit stets kontrollierbar. Eine sogenannte Brieftaubenfunktion sorgt fŸr die automatische RŸcksendung der leeren BŸchsen zu ihrer Heimatstation, so dass jede Station immer Ÿber genŸgend TransportbehŠltnisse verfŸgt.

 

Historisches

Im modernen Krankenhausbetrieb sind Rohrpostanlagen heute unverzichtbar. Ihr Prinzip beruht auf einer uralten Technik von †ber- und Unterdruck, mit der bereits 1853 die erste Rohrpostanlage in London in Betrieb ging. Die BlŸtezeit der Rohrpost lag zwischen 1860 und 1945, damals natŸrlich noch manuell bestŸckt, aber trotzdem schneller als die herkšmmliche Briefbefšrderung.

8 Millionen Sendungen flitzten im Jahr 1939 beispielsweise in dem 400 Kilometer gro§en Streckennetz in Berlin durch die Ršhren. Berlin war damit die zweitgrš§te Rohrpostlinie der Welt nach Paris. Ein Gro§teil der dicht unter  der Stra§enoberflŠche liegenden Linien wurde wŠhrend des Zweiten Weltkriegs zerstšrt.